Tag 3 bis 9 - Jeden Tag ein Ei
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05. April 2026 - Vesna ist eine fleißige Ente. Jeden Morgen kehrt sie zu ihrem Nest zurück und legt ein weiteres Ei dazu. Ich habe mich ernsthaft gefragt, wo sie die ganzen Eier unterbringt – also zum einen in sich selbst und zum anderen in ihrem Nest. Denn Enten legen bis zu 15 Eier. Fünfzehn. Das ist absolut irre!
Den ganzen Tag über standen dann Nestwache und Ausbau auf dem Programm. Hier wurden Pflanzenteile herausgerupft, da Erde umgeschichtet, und dort wurde ein altes Pflanzschild kurzerhand zum Windabweiser umfunktioniert – ein echtes Genie des Upcyclings diese Ente! Dabei blieb das Umfeld stets im Blick der besorgten Mutter. Ununterbrochen hielt sie Ausschau nach Greifvögeln oder ihrem etwas seltsamen Mitbewohner, der sich auf der Bank mit Abendessen und einem kühlen Bier niederließ, um ihr Treiben genüsslich zu beobachten.
Vesna ließ mich nach und nach immer näher an sich heran. Bald hielten wir Seite an Seite gemeinsam Ausschau nach Greifvögeln oder vertrieben die zwar friedlichen, aber ziemlich frechen Spatzen. In unserem Quartier kreisen öfter Rotmilane, die sich sicher über ein Frühstück auf Entenei-Basis gefreut hätten. Durch das Herauskurbeln der Markise konnte ich das Nest gut vor neugierigen Flugpredatoren schützen und Vesna den Aufenthalt in ihrer WG auf Zeit etwas angenehmer gestalten. Außerdem war sie so besser vor Wind und Regen geschützt.
Kurz vor Einbruch der Dämmerung begann die sonst so gemütliche Vesna, ihren Hintern in die Höhe zu strecken und die gelegten Eier sorgfältig auszurichten – Präzisionsarbeit im Federkleid. Anfangs bedeckte sie diese immer mit etwas Gestrüpp, bevor sie sich kurz vor Einbruch der Dunkelheit zur Selbstversorgung Richtung See aufmachte.
Jeden Morgen galt mein erster Blick stets Vesna. Sie saß zufrieden in ihrem Pflanzkübel und schaute umher. Wir verbrachten viel Zeit gemeinsam auf dem Balkon, verstanden uns prächtig und tauschten so manchen bedeutungsschweren Quak aus.