Tag 41 - Kinderstube

07. Mai 2026 – Es kommt Bewegung in die Bude. Die geschlüpften Küken werden zunehmend aktiver und von ihrer Mutter für die Flucht aus dem Nest vorbereitet. Vesnas Lockrufe sind immer häufiger zu hören – ein leises, aber bestimmtes „Put, put, put. Kommt mal her“.

Und die neun kleinen Piepmätzchen? Die machen genau das, was sie am besten können: piepen. Unermüdlich. In verschiedenen Tonlagen. Mal aufgeregt, mal fragend, mal einfach nur aus Spaß an der Freude.
Das einst so ordentlich wirkende Nest ist inzwischen mehr eine wuselnde Großbaustelle. Kleine Füßchen tapsen über Erde und Pflanzenreste, winzige Schnäbel inspizieren alles, was umherliegt, und Vesna versucht  den Überblick zu behalten, was bei neun gleichzeitig fiependen Küken ungefähr so gut funktioniert wie einen Sack Flöhe zu hüten.

Immer öfter trauen sich die Küken ein Stück weiter aus dem sicheren Bereich hinaus. Erst wenige Zentimeter, dann ein paar mehr. Jeder Ausflug wird begleitet von neugierigen Blicken, leichtem Stolpern und natürlich unaufhörlichem Piepen.

Man merkt deutlich – die Erkundung der Welt steht unmittelbar bevor.

Nach einer kurzen Beobachtungspause meinerseits musste ich feststellen, dass Vesna erfolgreich war. Das erste Küken saß mit ihr zusammen in der Wiese. Das Locken intensivierte sich nun mehr und mehr. Ununterbrochen wurde Zurückgefiept und der Nachwuchs krabbelte übereinander her. Schwupps! Da fiel das nächste Entlein über die Brüstung und schwebte wie ein Fallschirmspringer, der alle Extremitäten von sich streckt, um den Luftwiderstand zu erhöhen, dem Rasen entgegen.

Rums! Ganz schön harte Landung so ganz ohne Fallschirm. Erst dachte ich, das ist nicht gut gegangen, doch nach wenigen Sekunden schüttelte sich der unfreiwillige Freediver durch und watschelte zur Mutter. Erleichtert konnte ich so nach und nach zusehen, wie der Rest der neu gegründeten Familie den Sprung in die Tiefe wagte und sich der schon ungeduldig wartenden Mutter und den Geschwistern anschloss.