Tag 2 - Bekanntmachung


04. April 2026 - An diesem Morgen galt mein erster Blick nicht dem Wetter, sondern dem Geschehen im Pflanzkübel.
Eine Ente saß darin und blickte hinaus auf die für eine Stadt doch erstaunlich üppige Grünfläche mit dem großen Baum.
Meine Sorge, dass sie das Ei einfach zurücklassen und sich für die weitere Eiablage einen ruhigeren, tauglicheren Ort suchen würde, bestätigte sich somit nicht.

Ich öffnete die Tür, trat langsam hinaus und ließ mich vorsichtig und so leise wie möglich auf der Sitzbank nieder, die nur einen Meter vom Nest der Ente entfernt stand.
Aus ihren Augen schaute sie mich an, beobachtete mich aufmerksam und schien leichte Hemmungen zu haben, sich vorzustellen. Ich musste wohl wie gewohnt als Mann den ersten Schritt machen.

„Soso, Vesna – Vesna Balkonova. Interessanter Name.“

Ich versicherte ihr, dass sie gerne bleiben dürfe, wies aber dezent darauf hin, dass ich ebenfalls hier wohnen und regelmäßig Zeit auf meinem pflanzenreichen Balkon verbringe. Sie hatte nichts dagegen einzuwenden. Wäre ja auch noch schöner gewesen.

Ich teilte ihr außerdem ein paar grundlegende Hausregeln mit: kein Dreck, kein Gestank, kein Geschrei. Nachdem ich ihr beiläufig von den Praktiken im Umgang mit Enten im asiatischen Restaurant in der Nachbarstraße erzählt hatte, schluckte sie kurz – und willigte ein.

Ab diesem Moment war unsere Freundschaft besiegelt.